Unser Mann in Hollywood

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In 44 Jahren hat Turhan Selahattin Schultavy, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Turhan Bey, in 38 Hollywoodfilmen mitgespielt. In der Türkei zwar recht unbekannt war der heute 82-Jährige ein unvergessliches Gesicht des amerikanischen Kinos der 40er Jahre. Er hat mit fast allen Stars seiner Zeit u.a. mit Lana Turner, Katherine Hepburn, Boris Karloff, Peter Lorre, Brenda Marshall, Walter Houston, Maria Montez, Joan Hall und Merle Oberon gearbeitet. Turhan Bey spielte europäische Adelige, geheimnisvolle Orientalen und Agenten. Einer seiner bekanntesten Filme ist der 1944 gedrehte Kinofilm "Ali Baba und die vierzig Räuber".

Der ehemalige Hollywoodschauspieler und Gefährte einiger der schönsten Frauen des amerikanischen Films der 40er Jahre, ist der Sohn eines türkischen Diplomaten und einer tschechischen Jüdin – er war unter anderem mit der legendären Ava Gardner zusammen. Turhan Bey wird im März 1922 in Wien geboren und wächst in einem begüterten Milieu auf, was sich auch nach der Scheidung seiner Eltern nicht ändert. Mit dem Einmarsch der Nazis findet sein sorgenfreies Leben in Wien allerdings ein Ende. Schlimmes voraus ahnend, packt seine Mutter alle Siebensachen und emigriert in die USA. Ein Onkel arbeitet als Mathematiker für Albert Einstein und bei ihm in Princeton lässt sich die Familie vorübergehend nieder. Man ist bei Einstein öfter zum Tee geladen – der Onkel plant für seinen Neffen eine Karriere als Mathematiker. Der wiederum verspürt dazu nicht die geringste Lust; stattdessen lockt er seine Mutter ins sonnige Kalifornien. In Beverly Hills wird ein Haus gemietet und Turhan Bey besucht die Drama-School von Ben Bard.

Bei einer Schüleraufführung wird er von Talentsuchern der Warner Brothers entdeckt und sofort engagiert. Der Film heißt "Footsteps in the dark", sein Partner Errol Flynn. Turhan Beys Filmkarriere hat begonnen. So leicht ihm der Einstieg in dieses schwierige Geschäft gemacht wurde, so selbstverständlich ging seine Karriere weiter.

10 Jahre und zahlreiche Filmrollen später beschließt Turhan Bey seine Karriere zu beenden und in das jenes zurückzukehren, aus dem seine Familie vor 10 Jahren geflohen war. Mit Mutter und Großmutter im Schlepptau besteigt er das Schiff, das sie nach Europa zurückbringen wird.

Von nun an spielt das Leben Turhan Beys in Wien; er kehrt wohl noch für einige Fernsehrollen in die USA zurück, doch sein Hauptwohnsitz bleibt Wien. Er erwirbt einige Kinos und geht seiner Leidenschaft, dem Fotografieren nach. Landschaften und schöne Frauen sind seine Lieblingssujets.

Wie er erst kürzlich in einem Interview mit einer türkischen Zeitung bekannt gab, spricht der Turhan Bey leider kein Wort türkisch. Er bedaurt sehr, die Sprache seiner väterlichen Ahnen nicht gelernt zu haben, so die Berichterstattung. Aber vielleicht werde ich es noch lernen, so Turhan Bey.

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