Türkei: Welche Steuern und Gebühren gelten 2026 – und in welcher Höhe?
Türkei – Steuern und Gebühren steigen zum Jahresbeginn. Ab 2026 werden in im Land zahlreiche staatliche Abgaben, Gebühren und Strafen automatisch angehoben. Grundlage ist die Erhöhung um 25,49 %, die in der Allgemeinen Mitteilung zum Steuerverfahrensgesetz im türkischen Amtsblatt (Resmî Gazete) veröffentlicht wurde. Diese Neubewertungsrate basiert auf den vom Türkischen Statistikamt (TÜİK) ermittelten Inflationsdaten für Oktober 2025.
Auch unabhängige Medienberichte – unter anderem von BİA Haber Merkezi, die dieselben Zahlen und Erhöhungen nahezu identisch aufführen – bestätigen diese umfassenden Anpassungen für 2026.
Die jährliche Neubewertungsrate führt dazu, dass zahlreiche staatliche Dienstleistungen wie Pässe, Führerscheine, Verkehrsstrafen und Fahrzeuguntersuchungen automatisch teurer werden. Parallel steigen die Einkommenssteuertarife, was insbesondere für Arbeitnehmer spürbare finanzielle Auswirkungen haben wird.
Bereiche mit starken Erhöhungen
Mehrere Verwaltungsgebühren werden 2026 deutlich angehoben. Die IMEI-Registrierungsgebühr für importierte Mobiltelefone steigt von 45.614 TL (~ €932) auf etwa 57.245 TL (~ €1.169). Auch die Ausreisesteuer erhöht sich von 1.000 TL (~ €20) auf 1.255 TL (~ €26).
Weitere Beispiele:
- Einjährige Passgebühr: von 3.449 TL (~ €70) auf 4.329 TL (~ €88)
- Dreijährige Passgebühr: von 8.000 TL (~ €163) auf 10.040 TL (~ €205)
- Ersatz-Identitätskarte: von 370 TL (~ €7,6) auf 464 TL (~ €9,5)
Im Verkehrsbereich sind die Anhebungen ebenfalls erheblich:
- Pkw-Untersuchung: von 2.620 TL (~ €54) auf 3.288 TL (~ €67)
- Niedrigste Radarkontrollstrafe: von 2.167 TL (~ €44) auf 2.719 TL (~ €56)
- Niedrigste Kfz-Steuer (MTV) für Fahrzeuge bis 1300 cm³: von 5.803 TL (~ €118) auf 7.283 TL (~ €149)
- Führerscheingebühren: Klassen A/A1/A2/F von 1.183 TL (~ €24) auf 1.485 TL (~ €30); Klasse B von 5.678 TL (~ €116) auf 7.127 TL (~ €146)
- Sonderkommunikationssteuer: von 570 TL (~ €12) auf 715 TL (~ €15)
Brücken-, Tunnel- und Autobahngebühren steigen deutlich
Auch die Infrastrukturgebühren werden entsprechend angepasst. Die Preise für die 15.-Juli-Märtyrer- und Fatih-Sultan-Mehmet-Brücken steigen von 47 TL (~ €0,96) auf etwa 59 TL (~ €1,20).
Weitere Anhebungen:
- Yavuz-Sultan-Selim-Brücke: von 80 TL (~ €1,63) auf 100,40 TL (~ €2,05)
- Eurasien-Tunnel: Nachttarif von 112,5 TL (~ €2,30) auf 141 TL (~ €2,88); Tagestarif von 225 TL (~ €4,60) auf 282 TL (~ €5,75)
- Osmangazi- und 1915-Çanakkale-Brücke: von 795 TL (~ €16,25) auf 998 TL (~ €20,40)
Auch die Tarife der Nord-Marmara- und Ankara-Niğde-Autobahn steigen entsprechend. Das trifft insbesondere Pendler und Personen, die ihr Fahrzeug beruflich nutzen.
Arbeitnehmer rutschen schneller in höhere Steuerklassen
Die Einkommenssteuertarife steigen ebenso um 25,49 %. Die erste Steuerklasse erhöht sich von 158.000 TL (~ €3.223) auf rund 200.000 TL (~ €4.080). Da viele Arbeitnehmer mit ihren jährlichen Gehaltssteigerungen diese Grenze schneller überschreiten, fallen sie früher in die nächste Steuerstufe und zahlen höhere Steuern.
Das führt dazu, dass das Nettogehalt trotz nominaler Lohnsteigerungen im Laufe des Jahres real sinkt. Zwar könnte der Präsident die Einstiegsgrenze theoretisch um 50 % anheben, doch gilt dies angesichts der derzeitigen wirtschaftspolitischen Linie als unwahrscheinlich.
Unterschiedliche Preisindizes und ihre Bedeutung für die Haushalte
Die vom TÜİK veröffentlichten Oktober-Daten zeigen eine Jahresinflation von 32,87 % beim Verbraucherpreisindex (TÜFE). Der Erzeugerpreisindex (Yİ-ÜFE), der als Grundlage für die Berechnung der Neubewertungsrate dient, liegt im gleichen Zeitraum bei 25,49 %.
Neben den offiziellen Kennzahlen existieren in der Türkei auch unabhängige Forschungsgruppen, die eigene Berechnungsmethoden anwenden. Eine dieser Gruppen, ENAG, veröffentlicht alternative Inflationsschätzungen, die für denselben Zeitraum bei über 60 % liegen. Diese unterschiedlichen Berechnungsmodelle führen dazu, dass in der öffentlichen Wahrnehmung verschiedene Einschätzungen zur Preisentwicklung nebeneinanderstehen.
Während staatliche Anpassungen wie Mindestlohn-, Beamten- und Rentenerhöhungen an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind, basieren Steuer- und Gebührenanpassungen auf der Neubewertungsrate. Dadurch kann es im Alltag zu unterschiedlichen Wahrnehmungen kommen, wie sich Preise und Einkommen im Laufe des Jahres entwickeln.
Geringverdiener besonders betroffen
Die deutlichen Erhöhungen bei Gebühren, Strafen, Transportkosten und staatlichen Abgaben verschärfen vor allem für einkommensschwache Haushalte die finanzielle Lage. Aufgrund der ohnehin hohen Lebenshaltungskosten – besonders bei Wohnen, Energie und Transport – starten viele Menschen 2026 mit einem deutlich eingeschränkten finanziellen Spielraum.