Türkei modernisiert Autobahnmaut: Klassische Mautstellen verschwinden
Die Türkei treibt die Modernisierung ihrer Autobahnmaut voran. An der Akıncı-Mautstelle bei Ankara wurde das sogenannte Serbest Geçiş Sistemi bereits in Betrieb genommen. Bis Ende 2026 sollen acht weitere Stationen auf das schrankenlose System umgestellt werden. Dadurch soll die Zahl der entsprechenden KGM-Mautstationen von derzeit 35 auf 43 steigen, berichtet die Nachrichtenagentur DHA.
An der Akıncı-Mautstelle im Bezirk Kahramankazan werden derzeit die bisherigen Betoninseln und Überdachungen der einzelnen Mautspuren entfernt. Nach Angaben des türkischen Verkehrs- und Infrastrukturministers Abdulkadir Uraloğlu bleiben die Ein- und Ausfahrten während der Arbeiten geöffnet. Der Verkehr werde jedoch kontrolliert durch den Baustellenbereich geführt. Bereits im Februar 2024 hatte Anadolu Ajansı über die landesweite Einführung des Systems an den insgesamt 106 von der Straßenbaubehörde KGM betriebenen Mautstationen berichtet.
Hinter dem Umbau steht ein landesweites Modernisierungsprogramm für die von der türkischen Straßenbaubehörde Karayolları Genel Müdürlüğü (KGM) betriebenen Autobahnen.
Wie funktioniert das Serbest Geçiş Sistemi?
Beim Serbest Geçiş Sistemi, kurz SGS, passieren Fahrzeuge die Erfassungsstelle ohne anzuhalten und ohne eine besondere Mautspur auswählen zu müssen. Kameras und elektronische Lesegeräte erfassen die Durchfahrt. Die anfallende Gebühr wird anschließend automatisch über das HGS-Konto des Fahrzeugs abgerechnet.
Die Autobahnmaut wird somit nicht abgeschafft. Lediglich die klassischen Mauthäuschen, Fahrbahnteiler und Schranken werden nicht mehr benötigt.
Durch das neue System sollen Fahrzeuge die Erfassungsstellen mit normalem Verkehrsfluss passieren können. Das soll Rückstaus vor den Mautstationen verringern und zugleich verhindern, dass Autofahrer vor der Durchfahrt abbremsen, die Spur wechseln oder vollständig anhalten müssen.
Akıncı-Mautstelle wird zurückgebaut
An der Akıncı Ücret Toplama İstasyonu ist das neue Erfassungssystem bereits aktiv. Die alten Betoninseln zwischen den Mautspuren und die darüber befindlichen Überdachungen werden deshalb zurückgebaut.
Die KGM weist darauf hin, dass es während der Abbrucharbeiten zu einer kontrollierten Verkehrsführung kommen kann. Autofahrer müssen im Bereich der Akıncı-Mautstelle daher vorübergehend weiterhin mit Einschränkungen rechnen.
Die Station liegt an einer wichtigen Zufahrt nach Ankara und war insbesondere zu Beginn und am Ende von Ferien- und Feiertagsreisen immer wieder von starkem Verkehrsaufkommen betroffen.
Ausbau betrifft die gesamte Türkei
Die Umstellung beschränkt sich nicht auf Ankara. Nach Angaben von Verkehrsminister Uraloğlu betreibt die KGM insgesamt 106 Mautstationen auf türkischen Autobahnen. Davon wurden bislang 35 auf das Serbest Geçiş Sistemi umgestellt.
Im Laufe des Jahres 2026 ging das System außer in Akıncı auch an den Stationen Adapazarı, Sultanbeyli, Gerede und Kandıra in Betrieb.
Bis Ende 2026 sollen acht weitere Standorte folgen:
• Çeşme
• Kaynaşlı
• İskenderun
• Adana Doğu
• Adana Batı
• Mersin
• Eminlik
• Suruç
Nach Abschluss dieser Arbeiten soll die Zahl der von der KGM betriebenen Mautstationen mit freiem Durchfahrtssystem von derzeit 35 auf insgesamt 43 steigen.
Schrittweiser Umbau statt vollständiger Abschaffung
Die angekündigten Arbeiten bedeuten nicht, dass bis Ende 2026 alle klassischen Mautstationen in der Türkei verschwinden. Zunächst werden vor allem Standorte mit hohem Verkehrsaufkommen umgestellt.
Auch die Zahl von 43 Stationen bezieht sich ausschließlich auf die von der KGM betriebenen Autobahnen. Privat betriebene oder im Rahmen anderer Betreibermodelle geführte Autobahnabschnitte sind in dieser Zahl nicht zwangsläufig enthalten.
Für Autofahrer ändert sich vor allem die Art der Durchfahrt: Die Gebührenpflicht bleibt bestehen, die Erfassung und Bezahlung erfolgen jedoch automatisch über HGS. Ziel ist ein flüssigerer, sichererer und komfortablerer Verkehr an den bisherigen Mautstellen.