Die Privatschule

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In ihrer Kritik am staatlichen Schulsystem fühlen sich die Privatschulen durch die Pisa-Studie auf das Glänzendste bestätigt. Den Triumph an die große Glocke zu hängen, würde ihnen aber nicht viel bringen: «Schon heute möchten 18 Prozent der Eltern ihr Kind gern auf eine Privatschule schicken», sagt Bernhard Marohn, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen (VDP) in Frankfurt. «Wir haben aber nur Kapazitäten für 6 Prozent.» Verglichen mit Ländern wie Spanien, Belgien oder den Niederlanden, wo zwischen 30 und 70 Prozent der Jugendlichen Schulen in freier Trägerschaft besuchen, ist der private Sektor damit in Deutschland eher schwach entwickelt.

Unter den 2252 allgemein bildenden Privatschulen in Deutschland gibt es 187 Haupt-, 272 Realschulen und 363 Gymnasien. Die Bandbreite reicht dabei von der radikaldemokratischen Alternativschule bis zur elitären Lehranstalt, wo Schüler bei besonderen Anlässen einen Schlips anlegen müssen. «Wir beobachten bei den Eltern in letzter Zeit einen Trend hin zum konservativen Wertebewusstsein», so Marohn.

Das schlägt sich auch in einer wachsenden Beliebtheit konfessioneller Schulen nieder. «Wer unsere Schulen besucht, muss wissen, dass er sich auf ein christliches Lebensmodell einlässt», sagt Schwester Maria Ignatia Langela von der Ordensdirektoren-Vereinigung (ODIV) in Bonn. In den unteren Klassen ist auch der Besuch des Gottesdienstes verbindlich. 106 Gymnasien und 55 Realschulen werden in Deutschland von Orden wie zum Beispiel den Franziskanern oder Jesuiten geführt.

Den meisten Privatschulen gemein sind vergleichsweise überschaubare Klassenverbände und eine private Atmosphäre, von der dem VDP zufolge gerade leistungsschwächere Schüler profitieren. Die Zeiten, als in Privatschulen Kinder aus reichem Elternhaus zum Abschluss getragen wurden, sind laut Marohn vorbei: «Bei uns wird keinem etwas geschenkt.» Die meisten Privatschulen sind staatlich anerkannt und können selbst Prüfungen abnehmen. Damit verbunden sind staatliche Zuschüsse, die zusammen mit einer Klausel im Grundgesetz das Schulgeld zumindest bei Halbtagsschulen auf ein sozialverträgliches Maß drücken: Es beträgt bis zu 125 Euro im Monat, bei Ganztagsschulen bis 350 Euro. Internate schlagen monatlich mit bis zu 2000 Euro zu Buche.

Als vergleichsweise teuer gelten mit einem monatlichen Schnitt von rund 115 Euro die Waldorfschulen. «Für Kinder aus ärmeren Elternhäusern gibt es aber Freiplätze», sagt Walter Hiller, Geschäftsführer des Bundes der Freien Waldorfschulen in Stuttgart. Die von dem Philosophen Rudolf Steiner begründete Bewegung sieht sich durch die Pisa-Studie «aus der Kuschelecke herausgeholt», wie Hiller sagt. Es habe sich gezeigt, dass Kinder ihre Talente ohne frühe Auslese besser entfalten können.

Noten gibt es in den derzeit 184 deutschen Waldorfschulen erst, wenn Abschlüsse anstehen. Davor wird gemeinsam in stabilen Klassengemeinschaften von Schülern unterschiedlicher Begabung gelernt. Das soll die soziale Kompetenz stärken. Auch wenn die Domäne von Absolventen traditionell eher in kreativen Berufen gesehen wird, legt Hiller Wert darauf, dass die Waldorfpädagogik nicht nur «Weicheier» hervorbringt: «Es gibt Waldorfschüler bis in die Spitzen der Wirtschaft hinein.»

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