Gündoğan erhält Mevlüde-Genç-Medaille: Verantwortung über den Fußball hinaus
İlkay Gündoğan hat in Istanbul die Mevlüde-Genç-Medaille des Landes Nordrhein-Westfalen entgegengenommen. Die Auszeichnung würdigt seinen Einsatz für gesellschaftlichen Zusammenhalt – und erinnert an eine Frau, die nach dem rassistischen Brandanschlag von Solingen für Verständigung eintrat.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst überreichte dem ehemaligen Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 29. September 2026 die Auszeichnung in der historischen Sommerresidenz der deutschen Botschaft in Tarabya. Gündoğan, der inzwischen für Galatasaray spielt, war bereits für das Jahr 2025 als Preisträger ausgewählt worden.
Die ursprünglich in Düsseldorf geplante Übergabe hatte kurzfristig abgesagt werden müssen: Gündoğan wechselte im September 2025 von Manchester City zu Galatasaray und reiste dafür nach Istanbul. Wüst holte die Ehrung nun während seines Türkei-Besuchs nach.
In seiner Würdigung hob Wüst hervor, dass Gündoğan seine Bekanntheit für ein respektvolles Zusammenleben nutze. Der Fußballer habe sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung gestellt und Brücken zwischen Deutschland und der Türkei gebaut. Damit begründete der Ministerpräsident die Auszeichnung als Anerkennung einer Haltung, die über sportliche Leistungen hinausreiche.
Gündoğan selbst betonte die Verantwortung, die mit seiner öffentlichen Rolle verbunden sei. Nach dem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu erklärte er, dass gegenseitige Unterstützung und ein gutes Zusammenleben jeden Menschen beträfen. Die Ehrung sei für ihn eine große Anerkennung, entbinde ihn aber nicht von der täglichen Verantwortung. Seinen Kindern wolle er eine bessere Welt hinterlassen.
An der Feier nahmen auch Angehörige der Familie Genç sowie Vertreter und Spieler von Galatasaray teil. Unter den Gästen waren Trainer Okan Buruk und Gündoğans Mannschaftskollege Leroy Sané.
Der Name der Medaille verweist auf den rassistischen Brandanschlag in Solingen vom 29. Mai 1993. Mevlüde Genç verlor dabei zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Trotz dieses Verlustes setzte sie sich für Versöhnung und ein friedliches Zusammenleben ein. Sie starb 2022.
Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens stiftete die Medaille am 18. Dezember 2018. Sie würdigt Menschen und Gruppen, die sich besonders für Toleranz, Verständigung zwischen den Kulturen und ein friedliches Miteinander der Religionen in Nordrhein-Westfalen einsetzen.
Seit der ersten Vergabe 2019 wurden unterschiedliche Persönlichkeiten und Initiativen mit der Mevlüde-Genç-Medaille ausgezeichnet: der Duisburger Jugendhilfeträger Jungs e. V. (2019), Mimoun Berrissoun mit seiner Initiative „180 Grad Wende“ (2020), Erika Theißen, Gründerin des Begegnungs- und Fortbildungszentrums muslimischer Frauen (2021), das Integrationsprojekt PerMenti (2022) und das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen, IDA-NRW (2023).
Im Jahr 2024 erhielt die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer die Auszeichnung. Auf den Preisträger des Jahres 2025, İlkay Gündoğan, folgte 2026 der Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer. Dessen Ehrung fand bereits im Juli statt – noch vor der nachgeholten Übergabe an Gündoğan im September.
Mit Gündoğans Ehrung verbindet sich diese Erinnerung mit der öffentlichen Rolle eines Fußballers. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Menschen mit großer Reichweite zu einem respektvollen Zusammenleben beitragen können. Gündoğans Aussagen in Istanbul machen deutlich, dass er diese Verantwortung als fortdauernde Aufgabe versteht.