
Faszination Ölringen

Pehlivan – so werden die kräftigen Ringer genannt, die im traditionellen türkischen Bodenkampfsport, dem Ölringen, ihren Mann stehen. In Sarayiçi bei Edirne an der türkisch-bulgarischen Grenze wird diesen Pehlivanen jedes Jahr im Sommer ein Denkmal gesetzt. Hunderte Ringer, von Kopf bis Fuß mit Olivenöl eingeschmiert, treten im Freien gegeneinander an. Gekämpft wird solange, bis ein Sieger ermittelt ist. Das kann bisweilen mehrere Stunden dauern, denn durch den eingeölten Körper wird das Einsetzen von Hebeln und Griffen erschwert. Deshalb gilt das Ölringen auch als weltweit kompliziertester Bodenkampfsport.
Jahrhunderte alter Nationalsport Die Türkei hat den Ölringern viel zu verdanken. 1960 erreichten sie in Rom, wo sie in der Ringer-Disziplin antraten, den sechsten Platz des Medaillenspiegels. Mit insgesamt neun Medaillen erzielten sie das bisher beste Ergebnis, das türkische Sportler bei den Olympischen Spielen jemals erreichten: Sieben Mal Gold und zwei Mal Silber. Auch heute ist Ringen die sportliche Disziplin, in der die Türkei bei internationalen Wettkämpfen am besten abschneidet.
Der erste Ringkampf soll der Legende nach um 1360 in der Nähe von Edirne ausgetragen worden sein. Zwei übrig gebliebene Soldaten einer vierzigköpfigen osmanischen Kriegstruppe sollen im "Bruderkampf" solange miteinander gekämpft haben, bis beide vor Erschöpfung tot umfielen. An der Stelle ihrer leblosen Körper sollen 40 kristallklare Quellen, auf Türkisch kirk pinar, aus dem Boden geschossen sein.
Zum 644. Mal finden nun die Ölring-Wettkämpfe von Kirkpinar statt. Vom 20. bis zum 26. Juni 2005 verwandelt sich Sarayiçi in einen Jahrmarkt. Bühnenauftritte von prominenten Künstlern aus Istanbul geben dem Turnier zusätzlichen Glanz und Glorie. Ebru Gündes, Zekai Tuncay, Coskun Sabah und Izel haben sich in diesem Jahr angekündigt.