Steigende Lebenshaltungskosten führen zu verstärkter Abwanderung aus Istanbul

Abwanderung
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Türkische Medien und offizielle Stellen, darunter die Statistikbehörde Türkiye İstatistik Kurumu (TÜİK), berichten, dass in Istanbul in den vergangenen Jahren eine deutliche Abwanderungsbewegung zu beobachten ist.

Steigende Mieten, höhere Lebenshaltungskosten, zunehmender Verkehr sowie Herausforderungen beim Zugang zu Gesundheitsdiensten führen dazu, dass viele Haushalte ihre Lebenssituation neu bewerten und in andere Städte umziehen. Für zahlreiche Menschen bedeutet das Leben in der Metropole nicht nur eine finanzielle Belastung, sondern zunehmend auch eine Einschränkung des Alltags.

Der Alltag in der Großstadt wird häufig als stark durch Arbeit, lange Wege und begrenzte Freizeit geprägt beschrieben. Die hohen Kosten für Wohnen und Grundbedarf sowie der Zeitaufwand für Mobilität lassen für viele kaum Raum für soziale Aktivitäten. Besonders für Haushalte mit festem oder begrenztem Einkommen wird der Verbleib in der Metropole zunehmend schwieriger.

Zunahme der Binnenmigration

Offizielle Daten zeigen, dass die Zahl der Menschen, die Istanbul verlassen, weiter steigt. Nach Angaben der Statistikbehörde zogen im Jahr 2023 mehr als 581.000 Personen aus Istanbul in andere Provinzen. Im Jahr 2024 waren es rund 369.000. Damit haben innerhalb von zwei Jahren insgesamt über 950.000 Menschen die Metropole verlassen. Zu den am häufigsten gewählten Zielstädten gehören Ankara, Izmir, Antalya und Bursa.

Als Hauptgründe für die interprovinzielle Migration werden landesweit vor allem Bildungswege sowie der Wunsch nach besseren Wohn- und Lebensbedingungen genannt. Ein großer Teil derjenigen, die aus Bildungsgründen umziehen, verfügt über einen Abschluss der Sekundarstufe oder der Hochschulbildung. Auch bei Umzügen aufgrund besserer Lebensbedingungen ist der Anteil der mittleren und höheren Bildungsgruppen besonders hoch.

Hohe Wohnkosten als zentraler Belastungsfaktor treiben die Abwanderung

Die Entwicklung der Lebenshaltungskosten in Istanbul spielt eine entscheidende Rolle für diese Dynamik. Vor allem die Mietpreise haben sich zu einem der größten Belastungspunkte für Haushalte entwickelt. Marktanalysen zeigen, dass die durchschnittliche Miete in Istanbul im Jahr 2025 bei über 33.000 Lira pro Monat liegt, während sie im Jahr zuvor noch bei etwa 25.000 Lira lag. Auch in anderen Städten steigen die Mieten, jedoch bleibt das Niveau in der Metropole deutlich höher. In Antalya bewegen sich die durchschnittlichen Mietpreise im gleichen Zeitraum zwischen 25.000 und 26.000 Lira.

Trotz regionaler Unterschiede zeigt sich insgesamt, dass die hohen Kosten in Istanbul für viele Haushalte ein ausschlaggebender Faktor sind, um die Stadt zu verlassen. Die sogenannte „stille Migration“ spiegelt damit sowohl wirtschaftliche Zwänge als auch den Wunsch nach einer besseren Lebensqualität wider.