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Der Ramadan („Sommerhitze“) ist der neunte Monat
des islamischen Mondkalenders und der islamische Fastenmonat. Das Fest
des Fastenbrechens (türkisch: Ramazan Bayram, Zuckerfest) am Ende des Ramadans
ist nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag. Der Fastenmonat
Ramadan wird von über eine Milliarde Muslime weltweit praktiziert.
Der Ramadan wird von den Muslimen stets mit Freude erwartet und als
ein Neuanfang betrachtet, der dem Menschen immer wieder eine neue Möglichkeit
bietet, an Leib und Seele zu genesen und die Nähe zu Gott wieder zu finden.
Welche Rolle der Ramadan für das spirituelle und alltäglich Leben der
Muslime spielt, erfahren sie nachfolgend.
1.1. Historischer Hintergrund zum Ramadan
Eineinhalb Jahre nach dem Auszug der muslimischen Gemeinde nach Medina
verkündete der Prophet eine Offenbarung, die da besagte: O ihr Gläubigen!
Das Fasten ist euch vorgeschrieben worden, so wie es denjenigen vor euch
vorgeschrieben wurde (KORAN: Sure 2, Vers 183-184). Somit wurde das Fasten
als dritte der fünf Säulen des Islam zum festen Bestandteil des Lebens
der Muslime. Desweiteren wird in dem Vers darauf Bezug genommen, dass das
Fasten bereits im Alten und Neuen Testament als eine Form des Gottesdienstes
und der Buße vor Gott Erwähnung fand. Der Ablauf und die Regeln des islamischen
Fastens wurden im Koran und in der Praxis des Propheten definiert. Der
Monat Ramadan, in dem ja in der laylat-al-kadr, in der Nacht der Bestimmung,
die Erstoffenbarung des Koran stattgefunden hatte, wurde im Koran als der
vorgeschriebene Zeitraum zum Fasten bestimmt. Seitdem fasten alle Muslime
weltweit so, wie es Muhammed, seine Familie und seine Gefährten vor 1400
Jahren schon taten.
1.2. Wann wird gefastet? Wie wird gefastet?
Mit dem Beginn des Ramadan (türkische auch Zuckerfest) bricht die Fastenzeit
an. Da der Ramadan ein Monat des Mondkalenders ist, dessen Jahr nur 354
Tage dauert, durchläuft er im Laufe von ca. 33 Jahren alle Jahreszeiten.
Das heißt, dass der Muslim es lernt, die Entbehrungen des Fastens während
drückender Hitze ebenso zu ertragen wie bei strenger Kälte. Das Fasten
ist jedem Muslim und jeder Muslimin ab der Pubertät vorgeschrieben. Entbunden
von der Pflicht zu fasten sind Kinder, Altersschwache, Kranke, Reisende
und Frauen während der Menstruation, der Schwangerschaft und nach der Entbindung.
Vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang sind Essen, Trinken, Einatmen
von aromatischem Rauch, die Zufuhr von jeglichen Stoffen und geschlechtlicher
Kontakt untersagt. Wenn am Morgen die Absicht zu fasten gefasst wurde,
dieses aber vorzeitig gebrochen wird, gilt der betreffende Tag nicht als
Fastentag und erfordert je nach Situation einen Ausgleichsakt.
Eine Reihe erleichternder Regelungen, die dem Fastenden in verschiedenen
Situationen entgegenkommen und diesen Ausgleichsakt minimieren. Denn überhaupt
bietet der Islam genügend Freiräume, die sich in schwierigen Situationen
nutzen lassen. Im Koran heißt es, dass Gott es den Menschen leicht machen
will und von niemandem mehr verlangt, als er zu leisten vermag. So gibt
es Regelungen, die einen vorzeitigen Abbruch von Fastentagen ermöglichen
und vor allem für Menschen gelten, die vom Fasten völlig erschöpft sind.
Erfolglos verlaufene Fastentage sollen bei nächster Gelegenheit nachgeholt
werden. Wenn die Umstände das verbieten, so ist eine Armenspeisung vorgeschrieben.
Laut Koran ist aber am erstrebenswertesten zu fasten und gleichzeitig armen
Menschen Speise zu geben.
Wenn beide Alternativen nicht realisierbar sind, so soll sich der Muslim
in die Barmherzigkeit Gottes flüchten.
1.3. Der Ablauf eines Tages im Fastenmonat Ramadan
Eine vom Propheten vorgegebene unverbindliche Praxis ist es, zu einem
Frühmahl aufzustehen um sich für den anstehenden Fastentag ausreichend
zu stärken. Gegebenenfalls wartet man auf die Dämmerung, um noch vor Aufgang
der Sonne das rituelle Morgengebet zu verrichten. Der Fastende ist dazu
angehalten, seinen üblichen Tagesablauf beizubehalten. Das Auftreten von
Hunger und Durst ist nicht etwa ein unerwünschter Nebeneffekt, sondern
gerade der zentrale Bestandteil des Fastens. Denn nur so entfaltet das
Fasten seine Wirkung auf Geist und Charakter des Menschen.
Wenn der Sonnenuntergang naht, ist es nach den Worten des Propheten
das gute Recht eines jeden Muslims, sich auf das Fastenbrechen zu freuen.
Um den schönen Moment des Fastenbrechens in der Gemeinschaft zu erleben,
versucht man entweder mit der Familie oder mit Freunden, vor allem aber
auch mit ärmeren Menschen zusammenzukommen bzw. sie mit ihrer ganzen Familie
zu sich nach Hause einzuladen.
Muslime fasten also nicht einen Monat hindurch, sondern jeweils nur
vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang. Dabei ist ihnen nicht nur das
Essen, sondern auch das Trinken untersagt. Zwischen Sonnenuntergang und
Morgengrauen ist dafür alles wieder erlaubt, was während des Tages verboten
ist.
2. Der spirituellen Aspekt des Fastens im Ramadan
Der Ramadan (türkische auch Zuckerfest) ist die Zeit der Wiederentdeckung
der Barmherzigkeit Gottes.Der Ramadan gilt unter Muslimen als Monat der
Barmherzigkeit, und das in zweierlei Hinsicht: Einerseits erwartet den
Muslim eine großzügige Vergebung vieler Sünden. Andererseits lernt der
Mensch es, die Gaben Gottes, sprich: Seine Barmherzigkeit, angemessen zu
würdigen. Für den gläubigen Menschen stellt die Welt eine Darbietung der
Barmherzigkeit Gottes dar. Unter Barmherzigkeit in diesem Sinne verstehen
wir die Eigenschaft Gottes, die die Welt zu einer nie versiegenden Quelle
an Gaben und Geschenken macht.
Jeder Atemzug des Menschen, jede Neubelebung der Erde im Frühling, jedes
belebte und unbelebte Element der Welt, das seine Rolle in diesem, dem
Menschen gewidmeten kosmischen Theater spielt - in all diesen Dingen spiegelt
sich für den Muslim die allumfassende Barmherzigkeit Gottes wieder. So
heißt es im Koran, dass Gottes Barmherzigkeit jedes Ding umschließt.
Doch wer alles hat, was er braucht, beginnt schnell Ansprüche zu stellen.
Plötzlich wird der Mensch wählerisch und legt die Messlatte für die Befriedigung
seiner Bedürfnisse Tag für Tag ein Stück höher. Der Fastenritus verfolgt
nun das Ziel, dem Fastenden wieder klar zu machen, welch existenzielle
Bedeutung Essen und Trinken für ihn haben. Denn vor dem Hintergrund des
Hungers schmecken auch die unbeliebtesten Speisen wie Festmähler. Ein Glas
Orangensaft lässt förmlich die Sonne aufgehen.
Die Nahrung erfährt in den Augen des Menschen eine Aufwertung, von der
er noch ein ganzes Jahr zehren kann. Kurz: Der Muslim empfindet das Fastenbrechen
am Abend als eine großzügige Einladung seines Schöpfers. Er erkennt, wie
großartig die Dinge sind, die ihm auf der Welt zur Verfügung stehen, und
wie wohltuend es ist, die sich in der Natur manifestierende Barmherzigkeit
zu spüren, eine Barmherzigkeit, von der alle Geschöpfe Gottes profitieren.
Je hungriger er am Abend ist, umso größer ist die Dankbarkeit des Fastenden
gegenüber dem, der unser Dasein und unsere Versorgung ermöglicht hat und
der uns die Gelegenheit bietet, durch unsere bewusste Wahrnehmung Zeuge
unserer Emotionen und unserer Nahrungsaufnahme zu werden.
2.2. Ramdan ist die Erziehung zur Bescheidenheit
Eine weitere, mit der Barmherzigkeit Gottes in Zusammenhang stehende
Tugend, die im Islam groß geschrieben wird, ist die Bescheidenheit. Eigenschaften
wie Arroganz und Überheblichkeit gelten als Irrwege des Egos, das seine
Unabhängigkeit von der Welt und letztendlich von Gott zu behaupten versucht.
Der Weg des Muslims zu Gott führt jedoch über die Anerkennung der Größe
Gottes und der Abhängigkeit des Menschen von Seiner Güte und Macht.
Das Fasten hilft dem Menschen auf die Sprünge, sich seiner Stellung
vor Gott gewahr zu werden. Die Bescheidenheit gegenüber dem Schöpfer und
seinen Geschöpfen dient uns nicht nur dazu, zu uns selbst zu finden, sondern
auch unsere Erwartungen herunterzuschrauben und stets mit dem glücklich
zu sein, was uns vergönnt ist.
2.3. Erlangen von Geduld und Demut
Der Fastenmonat Ramadan ist eine Zeit, in der die Geduld und Demut
gegenüber Gott besonders auf die Probe gestellt wird. Jeder Fastende sollte
versuchen, einen Zustand der Gelassenheit und der Ausgeglichenheit zu erreichen.
Vom Propheten wird überliefert, dass der als unangenehm empfundene Geruch
des Hungers vor Gott wertvoller ist als so man-ches angenehme Aroma.
Das Fasten, das nur für das Wohlgefallen Gottes durchgeführt wird, gilt
als eine besondere Form des Gottesdienstes, dessen Lohn einzig und allein
von Gott bemessen werden kann. So ist das geduldige Warten in den letzten
Minuten vor dem Fastenbrechen ein besonders verdienstvoller Dienst an Gott.
Man nimmt ja schließlich nicht an einer Hungerkur teil, sondern fastet,
um sich einmal mehr sei-ner selbst als Diener Gottes bewusst zu werden!
2.4. Auf Armut und Not ist Aufmerksamkeit zu lenken
Das Fasten öffnet Türen zu einer sozialeren und rücksichtsvolleren
Gemeinschaft. Der Mensch erhält die Möglichkeit, in den tiefen Abgrund
des Hungers und der Bedürftigkeit zu blicken. Wohlhabenden wird deutlich,
dass ihr Wohlbefinden keine Selbstverständlichkeit ist. Der Islam, der
sich z.B. mit der Armensteuer ohnehin gegen die Spaltung der Gesellschaft
wandte, lässt die Reichen in der Fastenzeit einen Einblick in die Probleme
der Armen nehmen. Wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Menschen verlieren
an Bedeutung. Dadurch, dass Menschen, die es sich leisten können, dazu
angehalten sind, das Fastenbrechen mit den Armen durchzuführen, wird außerdem
die Gemeinschaft auch praktisch gefördert.
Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Armensteuer gerade im Ramadan
zu zahlen ist.
2.5. Ramdan ist die Zeit, in der Freundschaft hoch im Kurs steht
Im Ramadan wird besonders viel Wert auf ein Zusammenwachsen der Gemeinschaft
gelegt. Die verpflichtende Armensteuer, die auch zu den fünf Säulen des
Islam gehört, wird fällig, und daneben wird auch viel freiwillig gespendet.
Der Muslim soll sich in diesem Monat besonders davor hüten, zu streiten
oder Zwietracht zu säen. Man lädt sich gegenseitig zum Fastenbrechen ein,
und man freut sich auf das Ramadanfest, bei dem die Menschen endgültig
wieder zueinander finden sollen.
3. Das Finale des Ramadan ist das Ramadanfest
Das Finale des Ramadan (türkische auch Zuckerfest) ist ohne Zweifel
das Ramadanfest, das an den letzten Fastentag anschließt. Dieses Fest ist
einerseits ein Ausdruck der Freude, den Ramadan erlebt zu haben, und andererseits
ein Höhepunkt der gemeinschaftlichen Verbundenheit. Im Türkischen bezeichnet
man Festtage als 'Bayram'. Das Ramadanfest ist neben dem Opferfest eines
der beiden Hauptfeste der Muslime.
Nach dem Festtagsgebet am Morgen des ersten Tages beginnt eine Zeit
der Warmherzigkeit, in der sich alle Familienmitglieder und Freunde gratulieren,
sich gegenseitig besuchen und sich jeder zum Ziel setzt, aus Feinden und
Zerstrittenen Freunde zu machen. Nach dem Ramadan sollen alle Unstimmigkeiten
ausgeräumt und Frieden und Freundschaft eingekehrt sein. Kinder genießen
bei diesem Fest die besondere Aufmerksamkeit der Erwachsenen.
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