Yerli-Brüder mit „Far Cry“ an die Spitze

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Wenige Entwickler haben eine ähnlich bewegte Geschichte hinter sich wie Crytek. 1999 beschlossen die Brüder Cevat, Faruk und Avni Yerli, ihre eigene Spielfirma zu gründen. Da sie aber keine Lust hatten auf ein typisch deutsches Entwicklerteam, suchten sie im Internet nach fähigen und billigen Mitarbeitern. Die Resonanz war groß: Begabte Schüler und Studenten wollten ebenso mitmachen wie hauptberuflich im Anwendungsbereich tätige Programmierer. Bald existierten erste Konzepte und Demos zu gleich drei Spielen: X-Isle als Vorläufer von Far Cry, dazu der Weltraum-Shooter Silent Space und das Action-Rollenspiel Engalus.

Nvidia als Startrampe ins Business Im Mai 2000 entschlossen sich die Brüder, an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie bastelten eine Demo-CD, zogen ihre bessten Anzüge an und buchten einen Trip nach Los Angeles zur Spielemesse E3. Dort liefen sie sich für Termine bei Publishern, Hardware-Herstellern und Presse die Hacken ab. Bei Nvidia wurden sie mehrmals mit keine Zeit abgewimmelt. Doch die Yerlis ließen nicht locker und sie durften schließlich doch ihre Demos vorführen: Fünf Minuten später war der halbe Stand um den Bildschirm versammelt, vier Monate später ein Deal unterzeichnet – X-Isle demonstrierte ab sofort die Fähigkeiten von Nvidia-Chips. Der Vertrag hatte weit reichende Konsequenzen: Engalus und Silent Space wurden fallen gelassen, die verstreuten Entwickler allesamt nach Coburg geholt. Im Mai 2001 konnte Crytek schließlich verkünden, dass mit Ubisoft ein geeigneter Publisher gefunden war, wiederum ein Jahr später wurde X-Isle in Far Cry umbenannt.

Nicht Förderungswürdig Etwa zur gleichen Zeit hatte ein herber Rückschlag dem jungen Unternehmen das das Genick gebrochen: Man hatte sich mit der Cryengine für staatliche Fördermittel in Höhe von 500.000 Euro beworben. Das Gremium war sehr angetan, das Geld schon so gut wie sicher, als doch noch die überraschende Absage kam: Man halte zwar die Cryengine für förderungswürdig, nicht jedoch das damit in Verbindung stehende Spiel, in dem Gewalt vorkomme – die bereits verplanten 500.000 Euro waren futsch. Inzwischen umfasst das ständig wachsende Far Cry- Team 60 Leute. Besonders Wert hat man auf die Verpflichtung von erfahrenen U.S.-Producern gelegt. Sie sollen garantieren dass in der Hektik der letzten Monate vor Release nichts mehr schief geht. Aufgestockt auf 70 Mann, soll das Team nach Fertigstellung von Far Cry künftig zwei Projekte parallel entwickeln – eines davon ist ziemlich sicher ein Add-on oder ein Nachfolger. Dann steht auch der Umzug in eine zentraler gelegene Großstadt an. Für ein ambitioniertes Team wie Crytek ist Coburg doch etwas zu Provinziell geworden.

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