Türkei: Lira-Wechselkurs auf neuem Höchststand

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Seit vier Wochen steigt der Lira-Wechselkurs auf immer neue Höchststände. Lag der Kurs Mitte Dezember noch bei 2,00 TL für einen Euro, erreichte er heute bereits 2,13 TL.

Der Anstieg hat mehrere Gründe: Die Türkische Zentralbank senkte Mitte Dezember den Zinssatz von 7,0 auf 6,5 Prozent und jetzt auf 6,0 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sie die Reserveanforderungen der Banken. Die Banken müssen bei Krediten damit mehr Eigenkapital einsetzen. Die Zentralbank will damit den Zufluss von ausländischem Kapital verringern. Das sogenannte "Hot Money" fliesst in Staaten wie die Türkei, die Investoren durch schnelles Wirtschaftswachstum und vergleichsweise hohe Zinsen anziehen. Das Kreditwachstum wird langsam besorgniserregend. Die Banken melden für 2010 ein Kreditplus von 34 Prozent auf 532,3 Mrd. TL. Für 2011 erwarten man nach dem Eingreifen der Notenbank nur noch 25 Prozent Zuwachs.

Mit ihren Entscheidungen zielt die Zentralbank auch auf das Leistungsbilanzdefizit. Im November erreichte das Defizit mit 4,5 Mrd. Euro den höchsten Wert seit Beginn der Statistiken 1984. In den elf Monaten bis Ende November stieg der Fehlbetrag auf knapp 34 Mrd. Euro an. Das sind 6 Prozent des für 2010 geschätzten Bruttoinlandprodukts (BIP). Der Wert liegt damit deutlich über dem Ziel der Regierung von 5,4 Prozent des BIP. Einige Analysten erwarten, dass das Defizit 2011 sogar auf mehr als 7 Prozent klettern wird.