Datenschutz: Datenpanne beim Ticketsystem Passolig

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In der Türkei sorgt das elektronische Ticket-System „>Passolig weiter für Sprengstoff bei Klubs und Fans. Ein Sicherheitsproblem lässt nun die Befürchtungen der Systemgegner wahr werden. Fakt ist nun: Die Kritiker hatten recht. Ihr hinweise, dass ein Missbrauch möglich ist und man nicht wisse, was mit ihren Daten passiere, hat sich bestätigt.

Beispielsweise kann man auf der Website von Passolig über Gökhan Bulut, ohne dass man ihn kennt, erfahren, dass er Fan der Adler ist. Als Besiktas Fan sitzt er im Olympiastadion in Block 306 Süd auf Platz 334 in Reihe 34.

Hunderte Datensätze von Passolig-Kunden waren gestern für jedermann öffentlich zugänglich. Über das Social Web würden zahlreichen Screenshots der freizugänglichen Daten gepostet. Besonders schlimm ist, dass sogar die Ausweisnummer (Kimlik-No.) öffentlich war. Mit etwas krimineller Energie kann man mit der Nummer beispielsweise sich Kreditkarte ausstellen lassen oder ein Konto eröffnen.

Die übereilte Einführung und die hohen Preise treiben Fans auf die Barrikaden. Abgesehen von den leeren Stadien, müssen sich Passolig-Kunden nun auch um ihre Daten sorgen machen. Von Passolig gab es zu der Datenpanne keine Aussagen. Auch nicht von der Aktivbank, die hinter dem Ticketsystem steht. Der der türkische Fußball verband TFF hat sich ebenfalls dazu nicht geäußert. Doch heute ist schon klar: Passolig wird die Diskussion weiter befeuern.

Ein noch größeres Problem haben die Vereine der SüperLig mit dem System. Zahlreichen Klub-Präsidenten protestieren wegen leeren Stadien. Nedim Türkmen, Präsident von Orduspor, glaubt, dass 20 bis 30 türkische Profi-Vereine akut in ihrer Existenz gefährdet sind, wenn der Zuschauerschwund weiter anhält. Zweifel macht sich daher bei den von Passolig veröffentlichten Zahlen breit. Laut deren aktuellen Angaben soll Galatasaray inzwischen mehr als 102.000 E-Ticket-Besitzer haben. Die Adler kommen scheinbar auf mehr als 83.000. Trabzonspor auf über 35.000. Angesicht dieser Traumzahlen treibt alle die Frage um, warum in Gottesnamen die Stadien leer sind? Warum gehen so viel Passolig-Besitzer nicht ins Stadion und unterstützen ihren Klub?

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