Vaybee!
 
  #1  
Alt 07.10.2005, 11:29
unknown
 
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Standard unüberbrückbaren Kulturunterschiede

Das der Beginn von Beitrittsverhandlungen noch keine Vollmitgliedschaft bedeutet und dass bis dahin noch ein langer Weg zu absolvieren ist, dass dürfte wohl jedem klar sein. Wie dieser Weg letztendlich zu beschreiten sein wird, ob er steinig, fallenbestückt oder eben verläuft, werden wir in den nächsten Monaten und Jahren verfolgen können.
Ein Hauptargument der Beitrittsgegner sind weiterhin die „unüberbrückbaren Kulturunterschiede“ zwischen der EU und der Türkei. Die Frage wird laut: Verkraftet das christliche Abendland eine islamisch geprägte Nation?
  #2  
Alt 07.10.2005, 14:03
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halitpasa75 halitpasa75 ist offline
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Standard Unüberbrückbare Kulturunterschiede?

Bevor ich auf deinen Beitrag eingehe, würdest Du vielleicht erklären, was Du mit "unüberbrückbare Kulturunterschiede" meinst? Etwas genauer wüsste ich es schon gerne, damit ich selbst beurteilen kann, ob tatsächlich derart große Differenzen bestehen.
Zu deinem letzten Satz möchte ich ein paar Worte loswerden.

Die Feststellung, das Abendland sei christlich ist einfach nur falsch. Mit dieser Behauptung werden die Juden und Muslime Europas, welche den Kontinent jahrhundertelang mitgeprägt haben und weiterhin mitprägen, einfach verleugnet.
Wenn dies das Selbstverständnis des Abendlandes ist, dann weiß ich nicht, ob eine so tolerante Nation wie die türkische in die EU will.

Du stellst richtig fest, dass die türkische Nation islamisch geprägt ist. Sie ist keine islamische Nation, denn die moslemische Mehrheit verleugnet unsere Juden, unsere Christen, unsere Atheisten, unsere Hinduisten, unsere Buddhisten, die alle ein Teil unserer Nation sind und ihren Beitrag für diese unsere Nation leisten, nicht.

Falls dies ein unüberbrückbarer Kulturunterschied ist, okay.
In diesem Bereich sind die Unterschiede tatsächlich unüberbrückbar, wenn nicht das Abendland sich zu unserem unverrückbaren Standpunkt hinbewegt.
  #3  
Alt 07.10.2005, 17:50
unknown
 
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Standard o.T.

Mein Anliegen war, den Eindruck, welchen ich beim ersten Kontakt mit der Thematik bekam, in meinem Betrag wiederzugeben und freue mich daher über deine Reaktion. Ich habe das Gefühl, dass größtenteils mit Begrifflichkeiten jongliert wird, deren Inhalte zumeist keine gemeinsame Deutungsbasis finden. So wurde z.B. der Gedanke des Abendlandes im Laufe der Zeit immer wieder neu belebt und verschiedentlich interpretiert. Schon interessant zu beobachten in welche Richtung er heute gedrängt wird. Doch zurück zu den Kulturunterschieden ... den unüberbrückbaren. Wie bereits erwähnt, habe ich dieses Zitat aufgegriffen, da es mir bei den ersten Berührungen mit dem Thema, doch recht oft begegnet ist. Die Frage die ich mir stelle: Wie wirkt sich dieser Diskurs auf Menschen aus, die tagtäglich mit diesen so genannten Kulturunterschieden leben? Sehen sie – siehst du – sie auch als unüberwindlich?
  #4  
Alt 08.10.2005, 07:12
airdem
 
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Standard Mit "unüberbrückbare" Kulturunterschiede

ist die Religion gemeint. Klar prägt diese unsere Kulturen aber sie ist nicht das einzige Kriterium!

Zu deinem Punkt mit den Begriffjongleuren. Du hast recht. Wir sollten erstmal den Begriff der Kultur definieren, damit wir überhaupt von unüberbrückbaren unterschieden sprechen können.

Wenn man in einem Duden den Begriff der Kultur nachschlägt, fallen einem sofort folgende Schlagwörter auf:

Sprache
Literatur
Religion und Ethik
Medizin
Kunst
Wirtschaft
Wissenschaft
Rechtsprechung

Wenn man sich alle Punkte ansieht, ist Religion das einzige, was wirklich ein krasser Unterschied ist zwischen der Türkei und der EU als ganzes.

Nennen wir das Kind beim Namen: Der Islam gehört nicht in die EU. Wieso sagt das niemand? Jeder denkt das gleiche aber keiner traut sich es auszusprechen. Es wäre wohl ein Beweis dafür, dass sich genau diese so hochzivilisierten Staaten widersprechen.

Parteien in der Türkei werden islamistisch benannt, um so die angeblich starke anti-Demokratisierung hervorzuheben und zwar auch dann, wenn im Parteinamen nicht mal von Islam die Rede ist. In Deutschland spricht man aber NUR von einer christlichen Union. Hier hat man keine Angst, wenn es eine "religiöse" Partei ist. Es wäre ja auch nur eine christliche und nicht eine islamische (islamistische!?!?).
  #5  
Alt 08.10.2005, 16:08
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lala1 lala1 ist offline
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Beiträge: 7
Standard ....klingt wie ein Scheidungsgrund *lol*

ich finde diese benennungen einfach lächerlich, jedes Jahr findet man ein neues Wort und letztendlich geht es doch nur um die selben alten Kamellen.
Was heißt unüberbrückbar ? Schon allein die Wortwahl ist doch sehr fehlgeschlagen, wenn man bedenkt, dass die Türkei geographisch als auch polyethnisch gesehen schon seit Jahrtausenden eine Brückenfunktion hatte zwischen Orient und Oksident ! Warum soll diese von der Natur aus gegebene Brücke plötzlich *unüberbrückbar* sein ?! Aus irgendwelchen pseudowesteuropäisch ethnozentrisch geprägten Kulturmaßstäben, die hier allen oktroyiert und wie die Charta der Menschenrechte vorgegaugelt wird ???

Wenn es denn auch so ist, wo bleibt dann der Europäische Gedanke ? Was war dieser nochmal ? EINHEIT ? Aber welche ? Der Club der Denker und Dichter ?

Dann frage ich mich wie zB die Griechen, die Bulgaren, Moldawier etc. es schaffen sich in diese Einheit einzugliedern, ohne an diesen vermeindlichen unüberbrückbaren Kulturunterschieden zu scheitern ?

Na klingelt es nun einwenig ? Der EU ist eine sozialistisch geprägte Nation lieber als eine die eine andere Religion vertitt.

Die Türkei wurde aufgehalten, sie wird *warm* gehalten und als Joker zu Wahlkampfkampagnen eingesetzt - mit Erfolg !

Man sollte das Kind beim Namen nennen und nicht die Kultur als Vorwand nehmen.

Wir sind Moslems. Und momentan warten 5 Mio Anatolier auf ihren seit den 60 Jahren gepackten alten Lederkoffern und sind kurz davor DEUTSCHLAND zu stürmen !!! Weil ja alle so schwarf drauf sind !

Naja, für heute Abend erledigen 11 Jungs diesen Job und ich hoffe sie machen die Deutschen alle platt !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

)
  #6  
Alt 09.10.2005, 01:09
airdem
 
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Standard Und wie sie das gemacht haben! :)

Und ein Deutschtürke mehr hat sich für sein Vaterland entschieden!
  #7  
Alt 09.10.2005, 10:08
unknown
 
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Standard Staat und Kirche

Stimmt. Das der Islam auch immer im Zusammenhang mit parteipolitischen Fragen ins Rampenlicht gerückt wird, ist mir auch schon aufgefallen. Und das in einem Staat, in dem die Trennung von Staat und Kirche formal so streng vollzogen ist wie in wohl keinem anderen europäischen Land und der den Laizismus zu einem seiner Hauptprinzipien erklärt hat.
Ich kann nur sagen wie es momentan auf mich wirkt: Die Entwicklung des Demokratisierungsprozesses in der Türkei wird in der westlichen Öffentlichkeit mit der Religionszugehörigkeit in Verbindung gebracht. Inwieweit ist da wirklich was dran? Was ist mit Ländern wie Polen oder Rumänien, haben da nicht 50 Jahre Kommunismus derartige Spuren hinterlassen, dass man zumindest über die Verankerung der Demokratie nachdenken sollte? Warum wird das nicht thematisiert?
  #8  
Alt 11.10.2005, 15:40
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halitpasa75 halitpasa75 ist offline
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Standard o.T.

Zunächst einmal finde ich es großartig, dass sich hier überhaupt jemand für den möglichen EU-Beitritt der Türkei interessiert.

Bezüglich des EU-Beitritts der Türkei sehe ich, wenn ich ehrlich bin, Licht im Tunnel, jedoch erkenne ich, im Gegensatz zu vielen anderen, dass dieses Licht von einem entgegenkommenden Zug stammt!

Bevor ich im Text weitermache noch folgendes. Ich habe mir erlaubt dich zu dutzen, was ich einfach weiterhin tue. Daher finde ich es auch ganz okay, wenn Du mich ebenfalls dutzt. Ich schreibe das nur, weil Du in deinem letzten Satz das "Du" in Frage gestellt hattest.

Um auf deine Fragen zurückzukommen. Ich sehe keine unüberbrückbaren Kulturunterschiede und den Diskurs gab es schon immer, das ist nichts Neues für uns bzw. mich.
Ich weiß, dass Diskussionen in der Regel wenig bringen, weil das "Türkenbild" in den Köpfen der meisten Menschen derart eingemeißelt ist, dass man es nur sehr schwer wieder aus den Köpfen bekommt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele ihr Türkenbild dann etwas revidieren, wenn sie Kontakt zu Türken bekommen, die durch ihr auftreten ein positives Bild vermitteln. Dann und in der Regel nur dann, fangen die Leute an ihre eigenen, negativen, Positionen zu hinterfragen.
Vielleicht noch ein kurzer Satz zu uns, den in Deutschland lebenden Türken. Wir tun auch so einiges um das negative Türkenbild noch weiter zu verfestigen. Wir sollten uns auch einmal hinsetzen und darüber nachdenken, was wir falsch machen. Ich muss jedenfalls jedesmal kräftig schlucken, wenn mir ein Türkei-Urlauber sagt, dass die Türken in der Türkei ganz anders seien als die Türken in Deutschland. Ich weiß, dass das als Kompliment an meine Landsleute in der Türkei zu verstehen ist und nicht als Kompliment an unsere Adresse geht.

Wieder zu den Kulturunterschieden. Es gibt keine unüberbrückbaren Kulturunterschiede und ich kann es, glaube ich, beweisen.

Gibt es zwischen den Türken und der EU unüberbrückbare Kulturunterschiede, so darf die EU keine Türken aufnehmen. Das ist das unseren Überlegungen zugrundeliegende Axiom.

Schätzungsweise über 1 Mio. Türken sind mittlerweile EU-Bürger, weil sie die Staatsangehörigkeit des Staates, in welchem sie leben, angenommen haben.
Türken wurden somit durch die EU-Staaten in die EU aufgenommen. Hätten unüberbrückbare Kulturunterschiede bestanden, so hätte man diese Menschen nicht aufnehmen dürfen. Nun kann gesagt werden, dass die Menschen bereits vor Ort lebten und die nationalen Gesetze die Staaten zur Einbürgerung zwang. Gut.

In Griechenland lebt eine nicht zu unterschätzende türkische Minderheit, mittlerweile EU-Bürger. In Rumänien ist eine türkische Minderheit vorhanden, trotzdem wird Rumänien mit den dort lebenden Türken zusammen demnächst EU-Mitglied. In Bulgarien lebt eine große türkische Minderheit, welche sogar seit geraumer Zeit in der Regierungsverantwortung ist und einer der treibenden Motoren bei der Aufnahme Bulgariens in die EU war und auch weiterhin ist. 2007 werden auch diese Türken ein Teil der EU. Die EU hat unter Bruch geltenden Völkerrechts und völkerrechtlicher Veträge "Zypern", besser die illegale Regierung des Südteils, in die EU aufgenommen, wobei die EU die gesamte Insel mitsamt der türkischen Bevölkerung als aufgenommen wissen will. Alles Türken. All diese Türken hat die EU freiwillig aufgenommen. Würden unüberbrückbare Kulturunterschiede bestehen, so würde man Türken doch nicht in die EU aufnehmen, siehe unser Axiom. Mittlerweile sind aber schätzungsweise weit über 3 Millionen Türken bereits EU-Staatsangehörige (bzw. werden es bis 2007 sein).

Religion als unüberbrückbarer Kulturunterschied scheidet ebenfalls aus. Zum einen aus den vorgenannten Gründen (so gut wie alle Türken die bereits EU-Staatsangehörige sind, sind auch Muslime) und zum anderen, weil der Islam in fast allen Fragen quasi deckungsgleich mit dem Judentum ist. Juden und Muslime unterscheiden sich in so gut wie keinem Punkt, stehen sich damit viel näher als den Christen.

Anerkannt ist, dass der abendländische Kulturkreis auf "christlich-jüdischen" Werten aufbaut. Meines Erachtens stimmt das nicht, weil mit dieser Aussage mehr als 1000 Jahre muslimischer Einfluss in Europa einfach verleugnet wird. Das ist aber ein anderes Thema. Wie gerade festgestellt sind sich Islam und Judentum sehr ähnlich und stehen sich sehr nahe. Wenn Christentum und Judentum miteinander können, die Unterschiede dieser Religionen nicht unüberbrückbar sind, so gilt dies erst recht für den Islam, der dem Judentum sehr nahe steht und auch dem Christentum näher ist als das Judentum dem Christentum, denn der Islam erkennt Jesus auch als Propheten an. Somit sind die religiösen Unterschiede ebenfalls nicht unüberbrückbar.

Mir stellen sich somit 3 Fragen.
1. Sind die Betonköpfe in Reihen der EU überbückbar, um den Wert der Türkei für die EU landläufig zu erkennen und einer schnellen Volmitgliedschaft zuzustimmen.

2. Ist die jetzige türkische Regierung überbrückbar, damit nicht den Türkeigegnern alle Trümpfe in die Hand gegeben wird und ich endlich sagen kann, wir haben auch etwas vom EU-Beitrittsprozess und wir werden Vollmitglied ohne die nationalen Interssen und die verfassungsmäßige Ordnung zu gefährden.

3. Was denkst Du persönlich über das Thema EU-Beitritt der Türkei?
  #9  
Alt 11.10.2005, 19:21
unknown
 
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Standard Denksport!

Darin, dass das Judentum schon immer eine Vermittlerrolle zwischen den Kulturen einnahm, stimme ich mit dir überein. Inwieweit Ähnlichkeiten zwischen der islamischen Tradition und der jüdischen bestehen, kann ich leider nicht beurteilen, da mir das entsprechende Hintergrundwissen fehlt. Daher muss ich über dein Gesagtes/ Geschriebenes nachdenken. Ähnlich verhält es sich mit deiner Frage nach meiner Meinung bezüglich eines EU-Beitritts. Es gibt soviele Ebene, die es zu berücksichtigen gibt, dass ich einfach noch etwas Zeit brauche, um mir darüber klar zu werden.
  #10  
Alt 11.10.2005, 19:24
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Standard Huch .. einmal hätte auch gereicht! o.T.

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